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Zeitzeuge Krankheitserreger

Artikel von Marco Hostettler

In einer diesen März publizierten Studie haben Forscher des Max Plack Instituts in Jena unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Bern Salmonellen- und Typhuserreger in 5'000 Jahre alten Skeletten gefunden. Erst um 1873 wurden die ersten Bakterien als Krankheitserreger identifiziert (Lepra) und bis 1933 konnten wir virale Erreger wie die Spanische Grippe nicht einmal nachweisen. Heutige Forscherinnen allerdings sind in der Lage anhand von winzigen Spuren bakteriellen Erbguts auf die Todesursache von Menschen zurückzuschliessen, die vor tausenden von Jahren verstorben sind.

Der Schlüssel zum alten Erbgut dieser Bakterien sind meist die menschlichen Zähne. Wenn es die Bakterien einer erkrankten Person in deren Blutbahnen und die Zahnwurzelhöhle schaffen, werden ihre Gene dort gut geschützt für Jahrtausende konserviert. Bis dorthin gelangen die Bakterien eigentlich nur, wenn die Infektion sogenannt «generalisiert» ist; also den gesamten Körper befallen hat und – ohne Antibiotika – tödlich verläuft.

Im Jahr 2015 gelang es einer Gruppe dänischer Wissenschaftler die Pest in 5'000 Jahre alten Zähnen nachzuweisen. 2017 wurden dann erneut Tote aus dieser Zeit durch das Max Planck Institut in Jena analysiert. Beide Studien zeigen: Der Pesterreger «Yersinia Pestis» war bereits um 3'000 v. Chr. im Menschen aktiv und verursachte tödliche Infektionen. Ob es schon damals grössere Epidemien gab wie später, ist aber weiterhin unklar.

In der in diesem März veröffentlichten Studie wurden verschiedene Skelette aus ganz Eurasien aus dem Zeitraum zwischen 5'000 v. Chr. und 1'000 v. Chr. analysiert. In einigen Proben fanden sich positive Nachweise auf Salmonellen. Nun gibt es unterschiedlichste Stämme der Salmonellen, wobei einige häufiger vorkommen als andere. Unter den prähistorischen Proben waren direkte Vorfahren eines besonderen Stammes, dem sogenannten «Paratyphus C», dem Verursacher der gleichnamigen Krankheit, verwandt mit der besser bekannten Krankheit «Typhus».

Wie Typhus existiert auch Paratyphus C noch heute. Auch hat der Stamm sich zwischen 4'000 und 3'000 v. Chr. rasant in den damals in Europa lebenden Gesellschaften früher Ackerbauern verbreitet. In derselben Studie wurden auch zwei Wildbeuter, also Personen nomadischer und in Sammelwirtschaft lebender Gruppen aus demselben Zeitraum analysiert. Sie hatten sich interessanterweise mit vollkommen anderen als die Ackerbauern und heute kaum mehr nachgewiesenen Bakterienstämmen infiziert.

Was bedeutet das? Schon unsere frühen Vorfahren kämpften mit Krankheiten, die sich in den sesshaften Gemeinschaften rasch verbreiten konnten. Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten scheint also ein Problem, das die sesshafte und auf die frühen Ackerbauern zurückgehende Kultur mit der Gegenwart teilt. Auf jeden Fall infizieren uns Bakterien des Stammes «Paratyphus C», der uns schon um etwa 3000 v. Chr. befiel, auch heute noch.

Quellen und weiterführende Lektüre:

  • Andrades Valtueña, A., Mittnik, A., Key, F.M., Haak, W., Allmäe, R., Belinskij, A., Daubaras, M., Feldman, M., Jankauskas, R., Janković, I., Massy, K., Novak, M., Pfrengle, S., Reinhold, S., Šlaus, M., Spyrou, M.A., Szécsényi-Nagy, A., Tõrv, M., Hansen, S., Bos, K.I., Stockhammer, P.W., Herbig, A., Krause, J., 2017. The Stone Age Plague and Its Persistence in Eurasia. Current Biology 27, 3683-3691.e8.https://doi.org/10.1016/j.cub.2017.10.025.
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Titelbild: Salmonella sp. bacteria, Bild Rawpixel

PENG-Project, Marco Hostettler, 6. Mai 2020